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Der Feuerteufel von Germannsdorf Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 06. Januar 2011 um 14:07 Uhr

eine Geschichte nach den Überlieferungen von Kathi Haderer

Wir schreiben das Jahr 1902. Es ist kurz vor Mitternacht in der Nacht vom neunten auf den zehnten April. Es ist eine trockene Nacht ohne den sonst im April üblichen Regen. Es hat auch schon mehrere Tage lang nicht geregnet. Die Strohdächer auf den Häusern und Ställen sind trocken und das ist in diesen Zeiten gar nicht gut.

Der Koaz Jakob (Kathi's Großvater) hat gerade seine nächtliche Wachrunde um Haus und Hof abgeschlossen und er müsste jetzt eigentlich die Söhne wecken, damit sie die weitere Wache übernehmen. Aber die beiden haben den ganzen Tag beim Wiederaufbau des Sommer Anwesens hart gearbeitet und abends war die Hebefeier. Sie schliefen tief und fest und mussten um vier Uhr morgens wieder raus. Wird schon nichts passieren heute nacht überlegte Jakob und beschloß ebenfalls schlafen zu gehen. Schon im Strohsack liegend grübelt er noch eine ganze Weile über die Ereignisse der letzten Wochen.

Zuerst waren die Brandbriefe aufgetaucht. Einer am Holzstoß und einer vor drei Wochen morgens vor der Haustür.

Germannsdorf wird brennen ! Meine Rache wird kommen !

So oder so ähnlich waren die Inhalte der Briefe, die sowohl beim Koaz als auch bei den Nachbarn aufgetaucht waren. Keiner konnte sich so recht einen Reim darauf machen, wer der Verfasser der Briefe war und was seine Beweggründe waren. Zuerst hatten sie die Drohungen nicht ernst genommen, bis dann vor drei Wochen das Feuer beim Sommer-Hof im Stadl ausbrach und keiner eine Erklärung dafür hatte. Der Stadl brannte ab und die üblichen Ursachen, wie Blitzschlag, offenes Feuer, usw. konnten ausgeschlossen werden. Jemand hatte angezündet. Seit dieser Nacht herrschte die Angst in Germannsdorf. Mit diesen unruhigen Gedanken schlief Jakob ein.

Es war etwa drei Uhr morgens, als Jakob wieder wach wurde. Etwas war nicht in Ordnung. Es drangen Geräusche von den Tieren aus dem Stall herüber. Die Tiere schliefen nicht mehr. Und dann kam der Brandgeruch. Jetzt waren seine Gedanken klar:  Es brennt bei uns !

Er sprang aus dem Bett begann schreiend der Söhne und die Dienstboten zu wecken. Als er aus dem Haus rannte waren seinen schlimmsten Befürchtungen wahr geworden. Der Stadl brannte bereits lichterloh und auch aus dem darunterliegenden Viehstall hörte man die Tiere in Panik brüllen.

Die Hausbewohner bildeten eine Eimerkette vom Wassergrand zum Stall und versuchten das Feuer einzudämmen, aber es war ein aussichtsloser Kampf.

Es war jetzt ein heftiger Ostwind aufgekommen, der ganze Strohbündel brennend vom Stadldach löste und weiter zu den Nachbarn wehte. Das Steinberger und das Bogner Anwesen würden die nächsten sein, wo die Gebäude Feuer fingen.

Auch auf den weiteren Häusern in Germannsdorf und auch in Ruhmannsdorf war man auf die Katastrophe aufmerksam geworden. Überall begannen die Bewohner mit Wassereimern auf die Häuser zu steigen und die Strohdächer anzufeuchten in der Hoffnung damit ein weiteres Übergreifen der Feuersbrunst verhüten zu können. Aber es war klar, wenn der starke Ostwind blieb, würde das Feuer sich noch weiter ausbreiten.

Auf dem Steinberger und Bogner Anwesen begannen bereits die ersten Flammen zu lodern. Die ersten Dorfbewohner und die Dienstboten begannen zu resignieren, aber die alten Bauern trieben sie weiter an Eimer für Eimer auf die Dächer zu tragen und nicht aufzugeben.

Dann um fünf Uhr morgens geschah das, was viele später als Wunder bezeichneten, was aber tatsächlich wohl nur ein sehr glücklicher Zufall war. Der Wind drehte und begann das Feuer von den weiteren Anwesen fernzuhalten. Das Koaz Anwesen war verloren, aber die Nachbarn blieben verschont.

Stall und Stadl beim Koaz waren komplett zerstört. Dreizehn Kühe, fünf Sau und 1 Roß kamen in den Flammen um. Das war die Bilanz des größten Brandes, der sich in Germannsdorf und Umgebung je ereignet hatte.

Bis zu seinem Tod grübelten Jakob und die anderen Bewohner des Dorfes über mögliche Motive des Brandstifters und etliche Jahre herrschte das Misstrauen bei den Bewohnern des Dorfes auch untereinander. Aber der Brandstifter blieb unbekannt.

Noch im Frühsommer 1902 begann der Wiederaufbau beim Koaz. Aus dem Steinbruch Eckmühle bei Hauzenberg wurden die Granitsteine mit Pferde- und Ochsengespannen herantransportiert, die zum Bau benötigt wurden. Das ist der Stadl beim Haderer, so wie er heute noch steht. Erbaut nach dem Feuer 1902.

FM

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 18. Januar 2011 um 20:27 Uhr